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SEO ist tot? Nein. Aber das „Wikipedia-Spielen“ ist vorbei.

15/12/2025

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Sabine

AaBb


Schön wars mit der Ampel. Wozu jetzt noch Tools? 

Jahrelang hat SEO für viele wie ein Malen-nach-Zahlen-Spiel funktioniert. Die Ampelsysteme von Tools wie Yoast oder RankMath haben als Leitsysteme gedient, ob man SEO-technisch auf dem richtigen Weg war. Und es wurde so lange optimiert, bis die Ampel grün war. Wir haben Texte für Maschinen optimiert, nicht für Menschen.

„Das Keyword muss in die H1.“
„Das Keyword muss in den ersten Satz.“
„Die Keyword-Dichte liegt nur bei 0,5 % – schreib es öfter!“

Und lange Zeit hat Google dieses Spiel mitgespielt. Wer die Regeln befolgte, hatte gute Chancen, oben zu landen. Doch der Wind hat sich gedreht. Wenn du heute stur nach Keywords optimierst, optimierst du dich in die Bedeutungslosigkeit.

Warum? Weil eine KI diese Regeln viel besser befolgen kann als du. Sie kann in Sekunden Texte generieren, die technisch perfekt sind, aber inhaltlich leer. Und Google ertrinkt quasi in diesem „perfekten Durchschnitt“. Deshalb sucht der Algorithmus jetzt nach etwas anderem. Es nennt sich Information Gain.


Was ist „Information Gain“?

Vergiss für einen Moment alles, was du über Keywords gelernt hast. Google fragt heute nicht mehr primär: „Enthält dieser Text das Suchwort?“ Google fragt: „Bringt dieser Text etwas Neues auf den Tisch, das in den anderen 10 000 Artikeln noch nicht steht?“

Information Gain (Informationsgewinn) bedeutet: Welchen Mehrwert liefert dein Artikel über den Konsens hinaus?

Wenn du schreibst: „5 Tipps gegen Stress“ und Tipp 1 ist „Atmen“, ist dein Information Gain gleich null. Das weiß die KI schon. Das steht schon überall. Wenn du schreibst: „Warum Atemübungen bei Panikattacken oft das Gegenteil bewirken (und was ich meinen Klienten stattdessen rate)“, ist dein Information Gain hoch. Das ist der Unterschied zwischen „Commodity Content“ (Massenware) und echtem Experten-Content.

Praxis-Beispiel: Wie du Information Gain erzeugst

Die Frage, die an dieser Stelle meistens kommt: „Aber es ist doch schon alles gesagt worden! Ich kann doch das Rad nicht neu erfinden.“ Stimmt. Das Rad nicht. Aber die Fahrt damit. Es geht nicht darum, dass du neue Fakten (er)findest. Du musst Kontext hinzufügen.

Hier sind drei Wege, wie du sofort „Information Gain“ in deine Texte bringst (und damit Google glücklich machst. Denn Google liebt diese Signale, weil sie beweisen, dass ein Mensch am Werk war):

1. Die „Ich war dabei“-Karte (Experience)
KI hat keine Erlebnisse. Du schon. Die Erfahrungs- oder Erlebnisperspektive eignet sich wunderbar, um sich inhaltlich vom Einheitsbrei abzusetzen.
Beispiel:
Mit Information Gain: „In meinem letzten Team-Coaching eskalierte ein Konflikt, weil alle zu höflich kommunizierten. Hier ist, wie wir das ‚Nettigkeits-Paradox‘ gelöst haben.“
Generisch: „Konflikte im Team löst man durch Kommunikation.“

2. Die Meinung / Die These (Opinion)

KI hat keine Meinung (sie darf meistens keine haben). Du musst eine haben. Das gleiche Spiel wie unter Punkt 1. Aufgrund deiner Erfahrungen kannst du dir auch eine Meinung bilden. Das hat nichts mit richtig und falsch zu tun – es ist deine Einordnung der Fakten auf Basis erlebter Situationen. Du bist der KI haushoch überlegen.
Beispiel:
Generisch: „Es gibt verschiedene Methoden im Zeitmanagement.“
Mit Information Gain: „Warum ich meinen kreativen Klienten von der Pomodoro-Technik abrate.“

3. Mit eigenen Daten oder Zahlen arbeiten

Eine sehr simple Methode. Aber bitte realistisch bleiben.
Beispiel:
Generisch: „Viele Gründer haben Angst vor dem Scheitern.“
Mit Information Gain: „Ich habe meine letzten 50 Erstgespräche analysiert: 80 % der Gründer hatten nicht Angst vor dem Scheitern, sondern vor dem Erfolg.“

Sobald du Sätze bildest wie „Ich beobachte oft…“ oder „Meiner Erfahrung nach …“, erzeugst du Inhalte, die ChatGPT nicht halluzinieren kann.

Also brauchen wir jetzt noch Tools für unser SEO?

Ja, Tools sind immer noch nützlich. Auf jeden Fall für die technische Seite. Als Kontrollmechanismus. Aber alles, was Content, Keywords und Metadescriptions betrifft, solltest du in den Tools ignorieren.

Fazit: Mut zur Lücke (und zur Kante)

Das Zählen von Keywords ist eine Beschäftigungstherapie. Es gibt dir das Gefühl von Kontrolle, aber es reicht nicht mehr aus. Um gute Ergebnisse in der organischen Suche zu erzielen, braucht es mehr als nur eine Keyword-Optimierung.

Frag dich nicht nur: „Was wird gesucht?“ Erweitere die Frage auf: „Und was weiß ich darüber? Welche Erfahrungen habe ich gemacht? Was ist meine Meinung dazu“

Deine Website ist kein Lexikon. Sie ist deine Bühne – oder etwas weniger dramatisch formuliert, das Schaufenster zu deinem Business. Und ein Schaufenster gibt nicht nur Aufschluss darüber, welche Produkte im Laden verkauft werden – sondern verrät auch etwas über den Stil des Verkäufers, das Preisniveau, etc.

Wenn du wissen willst, wie du diese Strategie technisch umsetzt und welche Rolle KI dabei spielen darf, lies meinen Basis-Guide zum Cyborg-Prinzip.

Recherche-Assistenz: KI | Redaktion & Haltung: Sabine