„Wenn KI jetzt Texte schreiben, Bilder machen und sogar Videos schneiden kann – brauche ich mich dann überhaupt noch mit Marketing zu beschäftigen?“
Vielleicht hat dich das auch schon mal beschäftigt. Einerseits hörst oder liest du überall, dass die KI Content in Sekunden produziert, und immer mehr Tools versprechen dir mit ihren KI-Funktionen alles Mögliche auf Knopfdruck.
Andererseits willst du nicht, dass dein Marketing klingt wie bei allen anderen. Du möchtest schon einen eigenen Stil, eine eigene Note haben und sowohl von deinen potenziellen Kunden, als auch von den Suchmaschinen als kompetent wahrgenommen werden.
Du bist damit nicht allein. In aktuellen Umfragen sagen inzwischen rund neun von zehn Marketer:innen, dass sie generative KI bereits regelmäßig im Alltag einsetzen – viele berichten von messbaren Effizienzgewinnen, aber gleichzeitig von Unsicherheit, wie sie das alles in eine stimmige Marketingstrategie einordnen sollen. (Quelle: SEO.com / AI Marketing Statistics 2025 – Zusammenfassung mehrerer Studien zur Nutzung von GenAI im Marketing).
In diesem Beitrag schauen wir uns ehrlich an:
- Welche Aufgaben die KI dir im Marketing wirklich abnehmen kann
- Wo du unverzichtbar bleibst – gerade als Coach oder Berater:in
- und wie du beides so kombinierst, dass dein Marketing leichter wird, aber nicht beliebig.
Warum diese Unterscheidung so wichtig ist.
KI ist ein Werkzeug, kein Wundermittel und kein Feind.
Das Problem entsteht, wenn wir ihr zu viel Verantwortung geben („Schreib mal mein ganzes Marketing“) oder sie verteufeln. („Das ist böse, das darf ich nicht benutzen“). Beides führt zu Stress. Denn entweder veröffentlichst du Texte, in denen du dich selbst nicht wiedererkennst, oder du machst weiterhin alles allein und bist konstant überlastet.
Der sanfte Mittelweg ist: KI übernimmt die arbeitssamen Teile, und du behältst die entscheidenden Teile. Damit das funktioniert, musst du wissen, wo die Grenze verläuft.
Aufgaben, die KI im Marketing gut übernehmen kann
Ideen sammeln & sortieren
Das Schöne ist, du musst nicht mehr mit einem leeren Blatt starten. Denn was KI hervorragend kann, sind Dinge wie Themenideen liefern („Welche Fragen haben Führungskräfte zum Thema XY?“), Überschriften-Varianten vorschlagen, Content-Ideen clustern (z. B. Grundlagen / Einordnung / Praxis / Fehler / Beispiele).
Beispiel:
Du willst über „Mitarbeiterführung“ schreiben. Statt 30 Minuten zu grübeln, fragst du die KI:
„Nenn mir 10 Punkte, die Führungskräfte beachten sollten, um ihre Teams oder Mitarbeiter effizient und respektvoll anzuleiten?“
Aber Vorsicht: Die ersten 10 Ideen der KI sind meistens die, die auch jeder deiner Konkurrenten bekommt. Frage gezielt nach: „Nenne mir 5 ungewöhnliche oder kontroverse Aspekte“, um wirklich spannenden Content zu bekommen.
Ergebnis:
Du bekommst 10 Ansatzpunkte, wählst 3–4 aus, und baust darauf deinen Artikel oder Newsletter.
Wichtig:
Die Auswahl triffst du. KI schlägt vor, du entscheidest. Das kann auch heißen, dass alles Quatsch ist und du noch einmal anfragst. Vielleicht auch statt zum Beispiel in ChatGPT auch mal bei Claude nachfragen, oder Gemini. Das ist Hilfe beim Brainstorming.
Rohtexte & Entwürfe erstellen
Die KI kann dir viel Roharbeit abnehmen, wie zum Beispiel Zwischenüberschriften oder Gliederungen, Bulletpoints für deine Landingpages oder Mails. Ein Workflow könnte so aussehen:
- Du definierst das Ziel: „Ich möchte einen Blogartikel schreiben, der erklärt, warum für Führungskräfte Emotionale Intelligenz wichtig ist.“
- Du lässt dir eine Gliederung vorschlagen.
- Ab hier kannst du selbst schreiben oder du bittest um Rohtexte für einzelne Abschnitte.
- Die musst du dann noch bearbeiten: kürzen, ergänzen, eigene Beispiele rein, Ton anpassen.
Das spart dir auf jeden Fall Zeit bei der Struktur und Energie beim „Ins-Schreiben-reinkommen“.
Aber:
Der Text ist erst dann „deiner“, wenn du ihn bewusst durch deine Hände gehen lässt. Du solltest ihn wirklich zu deinem Text machen. Es ist besser, wenig guten Content zu haben, als viele austauschbare 0815-KI-Texte.
Zusammenfassen & strukturieren
KI ist stark darin, Informationen zu ordnen, zu komprimieren, oder umzuformulieren. Das ist vor allem bei langen Texten oder vielen Quellen oder Notizen sehr nützlich. Mithilfe der KI kannst du aus einem langen Interview die wichtigsten Aussagen ziehen oder aus einem Webinar-Transkript einen Blogartikel schreiben. Oder eine Checkliste aus deinen Notizen erstellen. Und so weiter und so fort.
Das ist ideal für dich, wenn du zwar viel Material hast und tausend Ideen, es dir aber schwerfällt, das klar zu strukturieren und zu ordnen.
Content wiederverwerten (Repurposing)
Was auch sehr sinnvoll ist: Statt für jeden Kanal bei Null anzufangen, kannst du aus einem Blogartikel 3 LinkedIn-Posts, 1 Newsletter und 1 Checkliste machen (mit KI-Hilfe). Oder aus einem Newsletter eine Landingpage-Section und 2 kurze Posts. Oder was auch immer du an Content brauchst. Es macht durchaus Sinn, dein aktuelles Thema auf verschiedenen Kanälen zu veröffentlichen – immer angepasst an die jeweiligen Anforderungen.
Denn KI kann super Texte kürzen, das Format anpassen (z. B. „Mach mir daraus eine LinkedIn-Carousel-Struktur“) oder die Sprache leicht variieren. Du prüfst immer, ob das noch zu dir passt, oder ob da irgendwas steht, was du niemals so sagen würdest. Und – am wichtigsten: Ist das für deine Zielgruppe verständlich?
Kleine Bausteine: Betreffzeilen, Hooks, Zwischenüberschriften
Ähnlich wie beim Brainstorming ist KI ein Held, wenn du bei Formulierungen festhängst:
- Betreffzeilen für Newsletter
- Hook-Ideen für Reels oder Posts
- alternative Überschriften („H2-Varianten“)
- Call-to-Action-Formulierungen („Was könnten letzte Sätze sein?“)
Anstatt 20 Minuten an einem Satz zu feilen, kannst du dir einfach Vorschläge geben lassen. Entweder inspiriert dich das zu einer eigenen Variante oder du nutzt einen der Vorschläge der KI und passt ihn eventuell nur an.
All das spiegelt sich auch in den Zahlen: In einer Auswertung verschiedener AI-Marketing-Studien geben über 90 % der Marketer:innen an, dass sie mit KI schneller Inhalte erstellen können – ein Großteil sagt auch, dass sie dadurch mehr Zeit für Strategie und echte kreative Arbeit gewinnen. (Quelle: SEO.com – „AI Marketing Statistics 2025“ (Produktivitäts- und Zeitgewinn durch KI-Tools im Marketing)
Aufgaben, die KI nie komplett für dich übernehmen sollte
Jetzt zum anderen Teil der Wahrheit. Es gibt Bereiche, in denen KI dir zuarbeiten darf – aber niemals den Kurs bestimmen sollte.
Deine Positionierung & Angebote
Kein noch so guter Prompt kann entscheiden, für welche Menschen du da sein möchtest, oder welche Probleme du wirklich lösen willst oder wie dein Angebot aussehen soll, damit es für dich und deine Kund:innen stimmig ist. KI kann dir Fragen stellen, Optionen formulieren, Varianten von Nutzenversprechen generieren.
Aber sie weiß nicht, wie es sich anfühlt, mit einer bestimmten Zielgruppe zu arbeiten, was dich wirklich begeistert, und womit du langfristig leben willst. Wenn du deine Positionierung komplett an KI delegierst, bekommst du oft glatte, plausible Vorschläge – aber kein tragfähiges Business.
Strategie & Prioritäten
„Mach einfach mehr Content“ ist keine Strategie.
Du solltest dir folgende Fragen stellen:
- Welche Kanäle sind für dein Business sinnvoll?
- Welche Formate passen zu dir als Person?
- Wie viel kannst und willst du realistisch leisten?
- Wo soll dein Fokus in den nächsten 3–6 Monaten liegen?
Diese Fragen kannst nur du beantworten – eventuell im Sparring mit einem Menschen, aber nicht mit einem Tool, das deine Energie, deine Lebenssituation oder deine persönlichen Grenzen nicht wirklich kennt. KI kann helfen, Optionen zu strukturieren. Die Entscheidung, was du lässt, triffst du.
Haltung, Werte & Grenzen
Dein Marketing ist immer auch ein Ausdruck deiner Haltung und deiner Werte. Es zeigt deine Art, mit Menschen umzugehen.
Und auch hier wieder Fragen, die du dir stellen solltest:
- Welche Versprechen möchtest du geben – und welche bewusst nicht?
- Wie sprichst du über Transformation, Trauma, Krisen?
- Wo ziehst du rote Linien bei „psychologischem Druck“ im Verkauf?
KI hat dazu keine eigene Ethik. Sie reproduziert Muster, die sie gelernt hat – gute und schlechte. Deshalb solltest du gerade bei Sales-Texten und emotionalen Themen immer einmal mehr hinschauen:
„Würde ich das jemandem gegenüber so sagen, wenn er mir gegenübersitzt?“
Empathie & echte Beziehung
Kein Tool sieht, wie jemand guckt, wenn er oder sie deine Worte liest. Kein Tool weiß, welche Geschichte hinter einer Anfrage steckt. Kein Tool versteht, wie sich ein Satz für eine bestimmte Person anfühlt.
Gerade als Coach oder Berater:in ist ein großer Teil deines Marketings eigentlich Vorarbeit für die Beziehung. Also Vertrauensaufbau. Denn entweder fühlen sich Menschen von dir gesehen oder nicht. Sie spüren, ob du sie wirklich verstehst, oder ob du nur etwas verkaufen willst. Denk daran, dass sie auch zwischen den Zeilen lesen.
KI kann Empathie simulieren, aber sie spürt nichts – im Gegensatz zu uns Menschen. Diese Differenz merkst du in feinen Dingen, wie den Beispielen, die du wählst, in der Art, wie du über schwierige Themen sprichst – und in dem, was du nicht sagst.
Spannend ist: Genau hier klafft in vielen Unternehmen eine Lücke. Studien zeigen, dass zwar ein Großteil der Marketing-Teams KI-Tools schon ausprobiert – aber rund 70 % der Marketer:innen berichten, dass sie von ihrem Unternehmen keine systematische KI-Schulung bekommen. Viele fühlen sich mit der Technik allein gelassen und suchen genau nach diesem „Zwischenraum“: Wie nutze ich KI sinnvoll, ohne meine Werte und meinen Stil zu verlieren?(Quellen: SEO.com – AI Marketing Statistics 2025 (fehlende Trainings & Skill-Gaps);Think with Google – „KI im Marketing: So meistern deutsche Marketer die Transformation“ (Hürden: fehlendes Know-how, Unsicherheit bei Tools))
Live-Kommunikation & Anpassung in Echtzeit
Es gibt einige Bereiche in deiner Kommunikation mit deinen Kunden, in denen die KI dir helfen kann, so zum Beispiel beim Verfassen von Mails: Sie kann dir Satzbausteine für immer wiederkehrende Mails erstellen oder bei der Formulierung von Antworten helfen. Du kannst auch einen Chatbot mit KI betreiben.
Aber in echten Gesprächen – ob im Erstgespräch, auf einer Veranstaltung, in einem Webinar – bist du als Mensch gefragt. Du hörst nicht nur was dein Gegenüber sagt, du fühlst auch. Du kannst zwischen den Zeilen lesen. Deshalb sind deine Intuition, dein Menschsein gefragt. Du entscheidest, welche Frage du vertiefst, worauf du wie eingehst und wo du sagst: „Moment, da müssen wir kurz innehalten.“ Dein Marketing hört nicht an der Website auf. Dein Umgang mit Menschen nach dem ersten Kontakt ist ein Teil davon – und den kannst du nicht an KI auslagern.
Wie du beides kombinierst: KI als Teammitglied, nicht als Chef:in
Statt „alles mit KI“ oder „nichts mit KI“ kannst du dir eine einfache Regel merken:
KI darf vorbereiten, sortieren, verdichten. Du triffst Entscheidungen, setzt Grenzen und gibst Persönlichkeit.
Ein möglicher Ablauf für einen Marketing-Baustein (z. B. Blogartikel) könnte so aussehen. So nutzt du KI als Beschleuniger – aber deine Arbeit bleibt erkennbar deine.
- Du definierst das Ziel
- Thema
- Zielgruppe
- was sich für Leser:innen danach geändert haben soll.
- KI hilft dir bei:
- Ideen (Fragen, Unterthemen)
- Struktur (Gliederung)
- Rohtext (Entwürfe für Abschnitte)
- Du überarbeitest alles bewusst:
- streichst, was du nicht sagen würdest,
- fügst Beispiele & Erfahrungen aus deiner Praxis hinzu,
- passt Sprache & Ton an dich an.
- Du entscheidest, wo der Text hinführt:
- Call-to-Action,
- Einladung,
- nächste Schritte.
Das ist genau die Anwendung meiner 10-80-10-Regel: Die KI macht die mittleren 80 % (Ideen, Rohtexte), du machst die Strategie (10 %) und die Veredelung (10 %).“
Konkrete Inspiration: Was du KI heute schon übergeben kannst
Ein kleiner Spickzettel, den du direkt nutzen kannst:
Abgeben an KI (Roharbeit):
- Brainstorming für Blog- & Newsletter-Themen
- Gliederungsvorschläge für Artikel, Landingpages, Workshops
- Rohentwürfe für einzelne Absätze
- Zusammenfassungen von Audios, Videos, Notizen
- Umformulieren: lang → kurz, Newsletter → Post, Post → Checkliste
- Betreffzeilen, Hook-Ideen, erste CTA-Formulierungen
Bei dir behalten (Chef:innen-Aufgaben):
- Positionierung & Angebot
- Fokus & Strategie
- Tonalität & Beispiele
- • Ethische Grenzen & Verkaufsstil
- echte Beziehung, Zuhören, Nachfragen
- Entscheidungen, wofür du stehen willst
Du musst nicht alles sofort umsetzen.Es reicht, wenn du dir eine Marketing-Aufgabe nimmst – zum Beispiel deinen nächsten Newsletter – und bewusst testest, wo dir KI wirklich hilft und wo du mit deinem Wissen und deiner individuellen Art und Weise das Ruder übernimmst.
Fazit: KI nimmt dir viel Arbeit ab – aber nicht die Verantwortung
KI kann dich im Marketing deutlich entlasten:
- bei der Ideenfindung,
- bei Strukturen,
- bei Rohtexten,
- bei der Wiederverwertung von Inhalten.
Sie kann aber nicht:
- entscheiden, wofür du stehst,
- echte Beziehung zu deinen Kund:innen aufbauen,
- Verantwortung für deinen Stil und deine Werte übernehmen.
Gerade als Coach oder Berater:in bist du mehr als die Summe deiner Texte. Du bist deine Haltung, deine Erfahrung, deine Art, mit Menschen zu arbeiten. Wenn du KI als Werkzeug an deine Seite stellst – statt sie zum Chef über dein Marketing zu machen –, kann sie dir genau dabei helfen.
Und falls du beim Lesen gemerkt hast: „Ich würde das gern nutzen, weiß aber nicht, wie ich anfangen soll, ohne mich zu verlieren“ – dann kann dein zukünftiges Angebot oder dein Newsletter der nächste Schritt sein.


