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Baue nicht auf gemietetem Land: Deine Überlebensstrategie gegen launische Algorithmen.

Die Party ist vorbei

Stell dir vor, du hast ein Geschäft. Aber der Laden gehört dir nicht. Jeden Morgen entscheidet der Vermieter neu, wie viele Leute er heute durch deine Tür lässt. Gestern waren es 100. Heute sind es nur 3, weil dem Vermieter deine neue Schaufenster-Deko nicht gefällt. Klingt nach einem Albtraum-Business, oder? Aber genau das tun wir, wenn wir uns im Marketing primär auf Social Media oder Google verlassen.

Wir bauen unser Geschäft auf gemietetem Land. Der LinkedIn-Algorithmus ändert sich? Deine Reichweite bricht ein. Google führt AI-Overviews (SGE) ein und beantwortet Fragen direkt? Keiner klickt mehr auf deinen Blog. Die unbequeme Wahrheit ist: Die Ära des „kostenlosen Traffics“ endet. Wir bewegen uns auf eine Welt der „Zero-Click-Searches“ zu.

Wenn du jetzt keine Strategie hast, um Menschen (deine Zielgruppe) unabhängig von diesen Plattformen zu erreichen, hast du ein Problem. Die Lösung ist altmodisch, aber unschlagbar: Dein Newsletter.

Das Wohnzimmer-Prinzip

Viele Coaches behandeln ihren Newsletter ein bisschen wie das ungeliebte Stiefkind. Sie nennen ihn „Verteiler“. Das klingt nicht sexy und auch nicht nach Marketing. Darin landen dann oft verzweifelt recycelte Blog-Texte oder plumpe Kaufaufforderungen („Hier mein neues Angebot!“). Kein Wunder, dass das niemand liest. Wir müssen umdenken.

Vergleiche Social Media mit einer lauten Party. Du musst schreien, um gehört zu werden. Es ist hektisch, oberflächlich und schnell vorbei. Dein Newsletter dagegen? Das ist dein Wohnzimmer. Hier ist es ruhig. Hier hast du die ungeteilte Aufmerksamkeit. Hier kannst du eine echte Beziehung aufbauen. Niemand kann dir deine E-Mail-Liste wegnehmen. Kein Algorithmus entscheidet, ob deine Mail ankommt. Sie gehört dir. Sie ist Owned Media.

Die neue Strategie: Der Trichter

Früher dachten wir: Oh, wir machen ein bisschen SEO, dann kommen Besucher auf die Website und kaufen unsere Angebote. Das funktioniert vielleicht bei günstigen Produkten, aber bei hochpreisigen Coachings (fast) nie. Niemand kauft ein 2000-€-Paket, weil er einen Blogartikel gegoogelt hat. Daher musste man bei hochpreisigen Produkten einen kleinen Umweg machen: Also Traffic auf die Seite (organisch oder bezahlt), dann ein Freebie mit anschließender E-Mail-Kampagne oder ein Webinar, in dem verkauft wurde.

Auch im KI-Zeitalter müssen wir einen Umweg gehen:

  1. Der Köder (SEO & Information Gain): Ein Artikel oder die Informationen auf deiner Seite holen den Leser ab, weil du eine spezifische Frage besser beantwortest als die KI.
  2. Die Einladung: Du verkaufst nicht dein Coaching. Du verkaufst den nächsten Schritt. „Willst du mehr solcher Gedanken? Komm in meinen Newsletter.“
  3. Die Beziehung (Newsletter): Woche für Woche lieferst du Einordnung, Haltung und Persönlichkeit. Du baust Vertrauen auf.
  4. Der Verkauf: Findet in der Inbox statt.

Besucherzahlen (Traffic) sind Eitelkeit. Abonnenten sind dein echtes Kapital.

Ich glaube, der Newsletter ist das niedrigschwelligste Angebot, das du machen kannst. Wenn die Klickzahlen schon geringer werden und organischer Traffic abnimmt, dann solltest du versuchen, jeden, der auf deine Seite kommt oder irgendwie mit dir in Kontakt kommt, in deine E-Mail-Liste zu packen. Dein Newsletter ist dein Ort für den Vertrauensaufbau.

Wie schreibt man einen Newsletter, der nicht nervt?

Damit das funktioniert, darf dein Newsletter keine Werbeschleuder sein. Er muss das Produkt sein. Er muss so gut sein, dass Leute dafür bezahlen würden (auch wenn er kostenlos ist).

Drei Formate, die für Coaches gut funktionieren:

  1. Der Kurator: Du filterst die Flut an Informationen für deine Zielgruppe. „Die 3 spannendsten Links der Woche für Führungskräfte.“ Das spart deinen Lesern Zeit.
  2. Der Blick hinter die Kulissen: „Was ich diese Woche im Coaching gelernt/erfahren/erlebt habe.“ Das zeigt Expertise.
  3. Der Essay: Ein starker, persönlicher Gedanke zur aktuellen Lage. Schreib deine Sicht der Dinge.

Mein eigener Newsletter folgt genau diesem Prinzip: Er ist mein persönliches Notizbuch, das ich mit dir teile. Keine Hacks, sondern echte Einordnung.

Fazit: Fang heute an

Die beste Zeit, einen Newsletter zu starten, war vor 10 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist heute.

Nutze SEO, um gefunden zu werden. Aber nutze deine E-Mails, um zu bleiben. Wenn du wissen willst, wie du überhaupt erst mal Inhalte erstellst, die gut genug sind, um Leser anzuziehen (ohne stundenlang zu tippen), lies meine Anleitung zum Cyborg-Schreiben [hier entlang].